StartRatgeber › Schnittstellen absichern: Mechanik, Elektrik, Software in verketteten Anlagen

Wie sichere ich Schnittstellen zwischen Anlagen verschiedener Hersteller ab?

Über eine Zonenmatrix, die für jede Sicherheitszone festlegt, welches Ereignis welche Reaktion in welcher anderen Zone auslöst. Die Matrix wird vom Hersteller der Gesamtanlage geführt, nicht von den Einzellieferanten, denn keiner von ihnen kennt das Verhalten der Nachbaranlage. Sie ist die Grundlage für die sichere maschinenübergreifende Kommunikation.

Inhalt
  1. Warum ist die Schnittstelle der kritische Punkt?
  2. Was gehört in eine Zonenmatrix?
  3. Welche Punkte muss ich je Gewerk klären?
  4. Zentrale oder verteilte Sicherheitssteuerung?

Warum ist die Schnittstelle der kritische Punkt?

Jeder Lieferant bewertet seinen eigenen Lieferumfang und geht dabei von Annahmen über die Umgebung aus. Der Fördertechnik-Lieferant nimmt an, dass an der Übergabestelle niemand steht. Der Roboterlieferant nimmt an, dass die zuführende Fördertechnik bei einem Not-Halt anhält.

Beide Annahmen können richtig sein, sind sie aber nur, wenn jemand sie gegeneinander abgleicht. Genau das tut in vielen Projekten niemand, weil es außerhalb jedes einzelnen Lieferumfangs liegt.

Die typischen Folgen: eine Übergabestelle, an der Quetschgefahr besteht, weil beide Seiten den Bereich dem jeweils anderen zurechnen. Ein Not-Halt, der eine Anlage stoppt, während die Nachbaranlage weiter Material fördert. Ein Wiederanlauf, der eine Anlage startet, obwohl in der Nachbarzone noch gearbeitet wird.

Was gehört in eine Zonenmatrix?

SpalteInhaltBeispiel
ZoneEindeutig benannter, räumlich abgegrenzter BereichZ3: Palettierer
Auslösendes EreignisSchutztür, Not-Halt, Lichtvorhang, StörungSchutztür Z3 geöffnet
Reaktion in der ZoneGeforderte Stoppkategorie und ZustandStopp Kat. 1, Energie abgeschaltet
Reaktion in NachbarzonenWas muss dort passierenZ2 stoppt Zuführung, Z4 läuft weiter
Erforderlicher PLPLr je SicherheitsfunktionPLd, Kat. 3
SignalwegÜbertragungsmedium und ProtokollPROFIsafe über Netzwerk
WiederanlaufBedingung und QuittierstelleManuelle Quittierung an Bedienstelle Z3
VerantwortlichLieferant oder IntegratorIntegrator

Welche Punkte muss ich je Gewerk klären?

Mechanik: ÜbergabestellenQuetsch- und Scherstellen an den Übergängen, Sicherheitsabstände nach EN ISO 13857, trennende Schutzeinrichtungen über Anlagengrenzen hinweg, Zugänge für Störungsbeseitigung.
Mechanik: ZugangskonzeptWo gelangt Personal in welche Zone, und was muss dabei in welchem Zustand sein? Wartungszugänge sind der häufigste blinde Fleck.
Elektrik: Not-Halt-BereicheRäumliche Abgrenzung nach EN 60204-1 festlegen und beschriften. Ein Not-Halt darf keine neuen Gefährdungen in Nachbarzonen erzeugen.
Elektrik: EnergietrennungGetrennt abschaltbare Bereiche für Instandhaltung, sichere Trennstellen, Verriegelung gegen Wiedereinschalten.
Software: sichere KommunikationProtokoll und Adressierung festlegen, Reaktionszeit über die gesamte Signalkette berechnen, Verhalten bei Kommunikationsausfall definieren.
Software: Performance Level der KetteDer erreichte PL bemisst sich über die gesamte Kette von Sensor über Kommunikation bis Aktor, nicht je Teilanlage.
Software: Wiederanlauf und BetriebsartenWer darf welche Zone wieder freigeben, welche Betriebsarten gibt es über Anlagengrenzen hinweg, wie wird Teilbetrieb abgesichert?
CybersecurityNach Anhang III 1.1.9 der Maschinenverordnung Schutz sicherheitsrelevanter Software und Daten gegen Korrumpierung, auch auf dem Kommunikationsweg zwischen den Anlagen.

Zentrale oder verteilte Sicherheitssteuerung?

Zentrale Sicherheits-SPSVerteilte Sicherheits-SPS
PrinzipEine Steuerung wertet alle Sicherheitssignale der Anlage ausJede Teilanlage behält ihre Steuerung, sichere Signale werden ausgetauscht
VorteilSicherheitslogik an einer Stelle, einfacher nachvollziehbarTeilanlagen bleiben eigenständig lieferbar und prüfbar
NachteilEingriff in die Lieferantenanlagen, Verantwortung wandert vollständig zum IntegratorReaktionszeiten und PL-Nachweis über die Kommunikationsstrecke sind aufwendiger
Typisch beiNeuanlagen aus einer HandVerketteten Anlagen mit mehreren Lieferanten, schrittweisem Ausbau

In der Intralogistik überwiegt die verteilte Variante, weil Anlagen schrittweise wachsen. Dann ist die Zonenmatrix umso wichtiger.

Quellen und Normbezug

Normausgabestände und harmonisierte Fassungen ändern sich laufend. Prüfen Sie Normnummern und Ausgabestände vor der Anwendung gegen den aktuellen Stand im EU-Amtsblatt. Dieser Beitrag ist eine fachliche Einordnung und ersetzt keine Rechtsberatung.

Häufige Fragen

Wer erstellt die Zonenmatrix?

Der Hersteller der Gesamtanlage, in der Regel Systemintegrator oder Generalunternehmer. Die Einzellieferanten liefern zu, kennen aber das Verhalten der Nachbaranlagen nicht und können die Matrix deshalb nicht verantworten.

Reicht es, alle Not-Halt-Kreise zusammenzuschalten?

Nein. Ein durchgehender Not-Halt-Kreis regelt nur einen von vielen Fällen. Schutztüren, Lichtvorhänge, Störungen und Teilbetrieb brauchen jeweils eigene, differenzierte Reaktionen. Ein gemeinsamer Not-Halt begründet außerdem noch keine Gesamtheit von Maschinen.

Wie weise ich den Performance Level über mehrere Anlagen nach?

Über die vollständige Sicherheitsfunktion vom Sensor bis zum Aktor, einschließlich der Kommunikationsstrecke. Die PFHd-Werte der Teilsysteme werden aufsummiert; das schwächste Glied begrenzt den erreichbaren PL der gesamten Kette.

Was ist mit Anlagen, die schrittweise erweitert werden?

Führen Sie die Zonenmatrix als lebendes Dokument. Jede Erweiterung wird gegen die bestehende Matrix geprüft, das ist zugleich der einfachste Test, ob die Erweiterung eine wesentliche Veränderung darstellt.

Heinrich Knutas
Heinrich Knutas
Ingenieur für Maschinensicherheit
Gründer von Kaidoc.app · CEO von Knutec.de · LinkedIn

Begleitet seit Jahren CE-Projekte im Maschinen-, Anlagen- und Sondermaschinenbau. Daraus ist Kaidoc.app entstanden, eine Software für normorientierte CE-Dokumentation. Über Knutec.de gibt es dieselbe Arbeit als persönliche Dienstleistung.

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Dieser Beitrag wurde KI-gestützt erstellt und vor der Veröffentlichung fachlich geprüft. Die redaktionelle Verantwortung im Sinne von Art. 50 Abs. 4 der KI-Verordnung (EU) 2024/1689 liegt bei Heinrich Knutas.

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