StartRatgeber › Betriebsanleitung Vorlage: Gliederung mit Erläuterung

Wie ist eine Betriebsanleitung aufgebaut? Vorlage mit Erläuterung zu jedem Kapitel

Eine Betriebsanleitung nach Maschinenverordnung und EN ISO 20607 folgt keiner amtlich vorgeschriebenen Nummerierung, vorgeschrieben ist der Inhalt, nicht die Reihenfolge. Bewährt hat sich eine Gliederung in elf Kapitel: Allgemeines, Sicherheit, Technische Daten, Maschinenbeschreibung, Bedienung, Wartung, Prüfungen, Transport, Stilllegung, Entsorgung, Anhang. Die folgende Vorlage zeigt jede Überschrift mit einer Erläuterung, was dort hineingehört, und typischen Inhalten als Beispiel.

Inhalt
  1. Wie viele Kapitel braucht eine Betriebsanleitung?
  2. Die Vorlage: Gliederung mit Erläuterung zu jeder Überschrift
  3. Wo landen die Pflichtangaben in dieser Gliederung?
  4. Woran Betriebsanleitungen in der Praxis scheitern
  5. Wie verbindlich ist diese Gliederung?

Wie viele Kapitel braucht eine Betriebsanleitung?

Elf, als bewährte Struktur.

Weder die Maschinenverordnung noch die EN ISO 20607 schreiben eine Kapitelnummerierung vor. Vorgeschrieben ist, welche Informationen enthalten sein müssen. Wo sie stehen, entscheidet der Hersteller, solange die Anleitung für die Zielgruppe nachvollziehbar bleibt und nichts fehlt.

Die folgende Gliederung ist die Struktur, die sich in Prüfungen und Abnahmen bewährt hat und die auch Kaidoc erzeugt. Drei Entscheidungen darin sind bewusst getroffen: Die technischen Daten stehen als eigenes Hauptkapitel und nicht versteckt in der Maschinenbeschreibung. Die Bedienung kommt vor der Wartung, weil sie häufiger gebraucht wird. Transport und Lagerung stehen hinten, weil sie einmalig sind, vorn stören sie den Bediener, der täglich mit dem Dokument arbeitet.

So verwenden Sie die Vorlage: Gehen Sie die Gliederung von oben nach unten durch. Zu jeder Überschrift steht in einem Satz, was dort hineingehört, darunter typische Inhalte als Anhaltspunkt. Was auf Ihre Maschine nicht zutrifft, streichen Sie, eine Überschrift ohne Inhalt ist schlechter als keine Überschrift. Was Sie nicht beantworten können, markieren Sie sichtbar, statt es stillschweigend wegzulassen.

Die Vorlage: Gliederung mit Erläuterung zu jeder Überschrift

Die 11 Kapitel im Überblick
1Allgemeines

Das Einleitungskapitel erklärt das Dokument, nicht die Maschine. Kurz halten, keine technischen Werte, die stehen in Kapitel 3.

1.1Gegenstand und Zweck dieser Anleitung

In zwei bis drei Sätzen: wozu das Dokument dient, dass es Bestandteil der Maschine ist und griffbereit aufbewahrt werden muss.

Typische Inhalte
  • Hinweis, dass die Anleitung bei Weitergabe der Maschine mitzugeben ist
  • Aufforderung, die Anleitung vor der ersten Benutzung vollständig zu lesen
  • Vermerk Originalbetriebsanleitung bzw. Übersetzung der Originalbetriebsanleitung
  • Keine Aufzählung der eigenen Kapitel, das leistet das Inhaltsverzeichnis
1.2Funktionsübersicht der Maschine

Zwei bis vier einfache Sätze dazu, was die Maschine tut und wofür sie gedacht ist, in Worten, ohne Zahlenwerte.

Typische Inhalte
  • Grundfunktion in einem Satz: was geht hinein, was kommt heraus
  • Einordnung in den Prozess des Betreibers
  • Angabe, ob die Maschine allein oder in einer Verkettung arbeitet
1.3Angewandte Rechtsgrundlagen und Regelwerke

Nennt die Rechtsgrundlage und die wesentlichen angewandten Normen, mit Ausgabestand.

Typische Inhalte
  • Maschinenverordnung (EU) 2023/1230 oder Maschinenrichtlinie 2006/42/EG, je nach Inverkehrbringungsdatum
  • Weitere zutreffende Rechtsakte, etwa EMV- und Niederspannungsrichtlinie
  • EN ISO 12100, EN ISO 13849-1, EN 60204-1, EN ISO 20607
  • Verweis auf mitgeltende Unterlagen, die Liste selbst steht im Anhang
1.4Zielgruppen der Betriebsanleitung

Beschreibt die Personengruppen mit ihren Rollen und Aufgaben an der Maschine. Die geforderte Qualifikation gehört nicht hierher, sondern in 2.5.

Typische Inhalte
  • Bediener: Beschicken, Starten, Überwachen, Entnehmen
  • Einrichter: Rüsten, Parameter ändern, Werkzeugwechsel
  • Instandhaltungspersonal: Wartung, Inspektion, Störungsbeseitigung
  • Elektrofachkraft: Arbeiten an der elektrischen Ausrüstung
1.5Urheberrecht und Haftung

Kompakter Schutzrechtshinweis und Haftungsausschluss. Keine Identifikationsdaten der Maschine, die stehen auf dem Deckblatt bzw. der Projektdatenseite.

Typische Inhalte
  • Weitergabe und Vervielfältigung nur mit schriftlicher Genehmigung
  • Haftungsausschluss bei eigenmächtigen Umbauten
  • Haftungsausschluss bei Verwendung nicht freigegebener Ersatzteile
  • Haftungsausschluss bei Nichtbeachtung der Anleitung
2Sicherheit

Das wichtigste und umfangreichste Kapitel. Es überträgt die Ergebnisse der Risikobeurteilung in Anweisungen an die Personen, die mit der Maschine arbeiten.

2.1Bedeutung der Warnhinweise und Signalwörter

Erläutert die verwendeten Signalwörter mit Bedeutung und Farbe sowie den Aufbau der Warnhinweise.

Typische Inhalte
  • GEFAHR: unmittelbar drohende Gefahr, Tod oder schwere Verletzung als Folge
  • WARNUNG: mögliche gefährliche Situation, Tod oder schwere Verletzung möglich
  • VORSICHT: mögliche gefährliche Situation, leichte Verletzung möglich
  • HINWEIS: Sachschaden möglich, keine Personengefährdung
2.2Allgemeine Sicherheitshinweise

Grundregeln, die für alle Lebensphasen und alle Personengruppen gelten, ohne die spezifischen Warnungen der Einzelkapitel vorwegzunehmen.

Typische Inhalte
  • Maschine nur in technisch einwandfreiem Zustand betreiben
  • Sicherheitseinrichtungen nicht überbrücken, entfernen oder unwirksam machen
  • Arbeiten nur durch dafür qualifiziertes Personal
  • Veränderungen an der Maschine nur mit Zustimmung des Herstellers
2.3Bestimmungsgemäße Verwendung

Legt fest, wofür die Maschine gebaut ist, und begrenzt das nach Material, Umgebung, Leistung und Betriebsart. Diese Grenzen entscheiden später, was Fehlanwendung ist und wo die Haftung endet.

Typische Inhalte
  • Zulässige Werkstücke oder Materialien mit Abmessungs- und Gewichtsgrenzen
  • Zulässige Umgebungsbedingungen: Temperaturbereich, Luftfeuchte, Aufstellung in geschlossenen Räumen
  • Zulässige Betriebsart und Auslastung, etwa Einschaltdauer oder Taktzahl
  • Bedienung ausschließlich durch unterwiesenes Personal; Schlusssatz, dass jede darüber hinausgehende Verwendung als nicht bestimmungsgemäß gilt
2.4Vernünftigerweise vorhersehbare Fehlanwendung

Beschreibt Fehlgebrauch, mit dem realistisch zu rechnen ist, nicht jeden denkbaren Missbrauch. Quelle ist die Risikobeurteilung.

Typische Inhalte
  • Verarbeitung nicht freigegebener Materialien
  • Betrieb mit überbrückten oder demontierten Schutzeinrichtungen
  • Nutzung als Aufstiegshilfe oder Ablagefläche
  • Betrieb über die zulässige Belastungs- oder Temperaturgrenze hinaus
2.5Personalqualifikation und Unterweisung

Legt je Rolle fest, welche Qualifikation und Unterweisung erforderlich ist. Die Rollen selbst wurden bereits in 1.4 beschrieben.

Typische Inhalte
  • Elektrofachkraft nach DGUV Vorschrift 3 für Arbeiten an der elektrischen Ausrüstung
  • Nachweisliche Unterweisung des Bedienpersonals vor der ersten Tätigkeit
  • Mindestalter und Ausschluss von Personen unter Einfluss von Medikamenten oder Alkohol
  • Wiederholungsunterweisung in festgelegten Abständen
2.6Pflichten des Betreibers

Was der Betreiber organisatorisch sicherstellen muss, damit die vorausgesetzten Schutzmaßnahmen wirksam bleiben.

Typische Inhalte
  • Gefährdungsbeurteilung nach Betriebssicherheitsverordnung erstellen
  • Betriebsanweisung erstellen und Personal unterweisen
  • Anleitung ständig verfügbar und lesbar halten
  • Wiederkehrende Prüfungen veranlassen und dokumentieren
2.7Pflichten des Bedieners

Was die Person an der Maschine konkret einhalten muss, kurz, konkret und in der Sprache der Tätigkeit.

Typische Inhalte
  • Vor Arbeitsbeginn Schutzeinrichtungen auf Vollständigkeit und Funktion prüfen
  • Mängel und Störungen unverzüglich melden
  • Vorgeschriebene PSA tragen
  • Arbeitsbereich frei von Hindernissen halten
2.8Persönliche Schutzausrüstung (PSA)

Welche PSA bei welcher Tätigkeit zu tragen ist, abgeleitet aus den Restrisiken, tätigkeitsbezogen statt pauschal.

Typische Inhalte
  • Schutzbrille beim Rüsten und bei der Reinigung
  • Sicherheitsschuhe im gesamten Anlagenbereich
  • Schnittschutzhandschuhe bei der Handhabung von Werkstücken
  • Gehörschutz ab dem in Kapitel 3.4 angegebenen Schalldruckpegel
2.9Schutzeinrichtungen (Überblick)

Nennt jede an der Maschine vorhandene Schutzeinrichtung, ihre Wirkung und wo sie sich befindet. Deterministisch aus der Risikobeurteilung ableiten, nicht frei formulieren.

Typische Inhalte
  • Trennende Schutzeinrichtungen: feststehende Verkleidungen, bewegliche verriegelte Türen
  • Nichttrennende Schutzeinrichtungen: Lichtvorhang, Sicherheitsmatte, Laserscanner
  • Sicherheitsschalter mit und ohne Zuhaltung
  • Hinweis auf die Prüfintervalle, die in Kapitel 7 beschrieben sind
2.10Restrisiken

Die Gefährdungen, die trotz Konstruktion und Schutzeinrichtungen bleiben. Dieser Abschnitt ist die Schnittstelle zur Gefährdungsbeurteilung des Betreibers.

Typische Inhalte
  • Je Restrisiko: Gefährdungsquelle, mögliche Folge, Schutzmaßnahme des Betreibers
  • Quetsch- und Scherstellen bei Rüst- und Wartungsarbeiten
  • Heiße Oberflächen nach dem Betrieb
  • Gespeicherte Energien in Pneumatik, Hydraulik und Federspeichern
2.11NOT-HALT-Funktion

Wo die NOT-HALT-Befehlsgeräte sitzen, was sie auslösen und wie entriegelt und quittiert wird.

Typische Inhalte
  • Anordnung aller NOT-HALT-Geräte, möglichst mit Abbildung
  • Stopp-Kategorie und Wirkung auf Antriebe und Energieversorgung
  • Entriegeln, Quittieren und geordnetes Wiederanlaufen
  • Klarstellung, dass NOT-HALT keine Schutzeinrichtung für den regulären Zugang ersetzt
2.12Gefahrenbereiche

Grenzt die Bereiche ab, in denen sich während des Betriebs niemand aufhalten darf, am besten mit Abbildung und Maßangaben.

Typische Inhalte
  • Bewegungs- und Schwenkbereiche von Achsen, Robotern oder Fahrzeugen
  • Ein- und Auslaufbereiche von Fördertechnik
  • Sicherheitsabstände und markierte Bodenflächen
  • Zugangsstellen mit Verriegelung und Zuhaltung
2.13Verhalten im Gefahrenfall

Handlungsanweisung für den Ernstfall in der Reihenfolge, in der sie ausgeführt werden soll.

Typische Inhalte
  • NOT-HALT betätigen und Maschine gegen Wiedereinschalten sichern
  • Verletzte bergen, Erste Hilfe leisten, Notruf absetzen
  • Vorgesetzten und Instandhaltung informieren
  • Ursache klären und Freigabe vor dem Wiederanlauf
2.14Sicherheitskennzeichnung an der Maschine

Zeigt alle an der Maschine angebrachten Warn-, Gebots- und Verbotszeichen mit Bedeutung und Anbringungsort.

Typische Inhalte
  • Tabelle mit Piktogramm, Bedeutung und Position
  • Sicherheitszeichen nach EN ISO 7010
  • Hinweis, beschädigte oder unleserliche Kennzeichnung zu ersetzen
  • Abbildung der Maschine mit eingezeichneten Schildpositionen
3Technische Daten

Eigenes Hauptkapitel mit ausschließlich physikalischen Kennwerten. Keine Identifikationsdaten wie Seriennummer oder Baujahr, die stehen auf dem Typenschild und dem Deckblatt.

3.1Kenndaten der Maschine

Die Grunddaten in Tabellenform, ohne beschreibenden Fließtext.

Typische Inhalte
  • Abmessungen und Aufstellfläche
  • Gewicht, Schwerpunktlage bei Bedarf
  • Leistung, Drehzahl, Taktzeit, Durchsatz
  • Zulässige Belastungen und Nennkapazitäten
3.2Anschlusswerte (elektrisch, pneumatisch, hydraulisch)

Alle bauseits bereitzustellenden Versorgungen mit Werten und Toleranzen.

Typische Inhalte
  • Nennspannung, Frequenz, Anschlussleistung, Absicherung
  • Druckluft: Betriebsdruck, Luftgüte, Verbrauch
  • Hydraulik: Druck, Volumenstrom, Ölsorte
  • Erforderliche Erdung und Potentialausgleich
3.3Betriebs- und Umgebungsbedingungen

Die Bedingungen, unter denen die Maschine bestimmungsgemäß betrieben werden darf. Gehört weit nach oben, weil davon die Gültigkeit aller weiteren Angaben abhängt.

Typische Inhalte
  • Umgebungstemperatur im Betrieb und bei Lagerung
  • Zulässige relative Luftfeuchte, Betauung ausgeschlossen
  • Aufstellhöhe, Beleuchtung, erforderliche Bodenbeschaffenheit und Tragfähigkeit
  • Ausschluss explosionsfähiger Atmosphären, sofern nicht ATEX-konform ausgeführt
3.4Emissionen (Schall u. a.)

Die nach Maschinenverordnung anzugebenden Emissionswerte mit Messverfahren und Unsicherheit.

Typische Inhalte
  • A-bewerteter Emissionsschalldruckpegel am Arbeitsplatz
  • Schallleistungspegel, sofern der Grenzwert überschritten wird
  • Angewandtes Messverfahren und Messunsicherheit
  • Vibration, Staub oder Strahlung, sofern relevant
4Maschinenbeschreibung

Erklärt Aufbau und Funktion so weit, wie es für Bedienung und Instandhaltung nötig ist. Ohne Bilder funktioniert dieses Kapitel nicht.

4.1Übersicht und Aufbau

Ein bis drei Sätze plus das Übersichtsbild mit nummerierten Baugruppen und Legende.

Typische Inhalte
  • Gesamtansicht mit Positionsnummern
  • Legende der Baugruppen zu den Positionsnummern
  • Abgrenzung des Lieferumfangs von bauseitigen Leistungen
4.2Arbeitsplätze und Bedienbereiche

Wo sich der Bediener während des Betriebs aufhält und von wo aus welche Tätigkeit ausgeführt wird.

Typische Inhalte
  • Hauptbedienplatz mit Bedienpanel
  • Beschickungs- und Entnahmestellen
  • Wartungszugänge und Standflächen
  • Bereiche, die nur im Stillstand betreten werden dürfen
4.3Hauptkomponenten

Je Hauptkomponente ein Abschnitt mit Funktion und Abbildung, nicht eine Sammelaufzählung.

Typische Inhalte
  • Antriebseinheit, Zuführung, Bearbeitungsstation, Abführung
  • Steuerungsschrank und Bedieneinheit
  • Sicherheitstechnik als eigene Komponente
  • Peripherie wie Absaugung oder Kühlung
4.4Funktionsbeschreibung

Der Prozessablauf in der Reihenfolge, in der er tatsächlich stattfindet, vom Materialeingang bis zum fertigen Teil.

Typische Inhalte
  • Ablauf eines vollständigen Arbeitszyklus
  • Zusammenspiel der Hauptkomponenten
  • Verhalten an Schnittstellen zu vor- und nachgelagerten Anlagen
  • Verhalten bei Materialmangel oder Stau
5Bedienung

Das Kapitel, das täglich benutzt wird. Steht deshalb vor Wartung und Transport. Inbetriebnahme und Störungsbeseitigung sind hier Unterkapitel, keine eigenen Hauptkapitel.

5.1Bedien- und Anzeigeelemente

Erst das Bediengerät als Ganzes erklären, dann die einzelnen Elemente mit Funktion.

Typische Inhalte
  • Tabelle: Element, Symbol, Funktion, Position
  • Bedeutung der Meldeleuchten und Statusfarben
  • Aufbau der Bedienoberfläche und Menüstruktur
  • Schlüsselschalter und Berechtigungsstufen
5.2Betriebsarten

Nur die tatsächlich vorhandenen Betriebsarten, jeweils mit den zugehörigen Schutzmaßnahmen und der erforderlichen Qualifikation.

Typische Inhalte
  • Automatikbetrieb mit geschlossenen Schutzeinrichtungen
  • Einrichtbetrieb mit reduzierter Geschwindigkeit und Zustimmtaster
  • Handbetrieb bzw. Tippbetrieb
  • Wer welche Betriebsart anwählen darf
5.3Inbetriebnahme

Was vor der ersten Inbetriebnahme und nach jedem Stillstand zu prüfen ist, bevor die Maschine anläuft.

Typische Inhalte
  • Checkliste vor dem Einschalten
  • Funktionsprüfung von NOT-HALT und Schutzeinrichtungen
  • Prüfung der Drehrichtung und der Versorgungswerte
  • Freigabe durch die verantwortliche Person
5.4Ein- und Ausschalten

Die Schaltfolge Schritt für Schritt, in beiden Richtungen.

Typische Inhalte
  • Hauptschalter einschalten, Steuerung hochfahren, Referenzieren
  • Geordnetes Abschalten am Zyklusende
  • Sicheres Stillsetzen bei längerem Stillstand
  • Verhalten nach Spannungswiederkehr
5.5Normalbetrieb

Die wiederkehrenden Tätigkeiten im laufenden Betrieb, in Handlungsschritten formuliert.

Typische Inhalte
  • Beschicken und Entnehmen
  • Programm- oder Rezeptwahl
  • Überwachung während des Laufs, worauf zu achten ist
  • Zulässige Eingriffe ohne Stillsetzen
5.6NOT-HALT auslösen und quittieren

Die Bedienhandlung im Detail, ergänzend zur sicherheitstechnischen Beschreibung in 2.11.

Typische Inhalte
  • Auslösen und Zustand der Maschine danach
  • Entriegeln des Befehlsgeräts
  • Quittieren und Freigabe
  • Wiederanlauf nur nach Beseitigung der Ursache
5.7Störungen und Störungsbeseitigung

Störungstabelle mit Symptom, möglicher Ursache, Abhilfe und Zuständigkeit. Die Zuständigkeitsspalte ist der sicherheitsrelevante Teil.

Typische Inhalte
  • Spalte Zuständig: Bediener, Instandhaltung, Elektrofachkraft, Hersteller
  • Klartextmeldungen der Steuerung mit Bedeutung
  • Vorgehen bei Materialstau
  • Hinweis, dass die Maschine vor dem Eingreifen sicher stillzusetzen ist
6Wartung und Instandhaltung

Beschreibt planbare Tätigkeiten am Stillstand. Jeder Abschnitt beginnt mit dem sicheren Stillsetzen, dann folgt die Tätigkeit.

6.1Wartungsplan

Tabelle mit Intervall, Tätigkeit, Bauteil und ausführender Person.

Typische Inhalte
  • Intervalle nach Betriebsstunden, Zyklen oder Kalenderzeit
  • Spalte für die ausführende Qualifikation
  • Spalte zum Abhaken und Dokumentieren
  • Kennzeichnung sicherheitsrelevanter Wartungspunkte
6.2Wartungsarbeiten

Je Tätigkeit: Vorbereitung, Durchführung, Abschluss. Vorbereitung heißt immer Energien trennen und gegen Wiedereinschalten sichern.

Typische Inhalte
  • Sicheres Stillsetzen und Absichern nach dem Fünf-Sicherheits-Regeln-Prinzip
  • Benötigtes Werkzeug und Hilfsmittel
  • Handlungsschritte in Reihenfolge, mit Anzugsmomenten wo relevant
  • Funktionsprüfung und Freigabe nach Abschluss
6.3Schmierung und Betriebsstoffe

Welche Stoffe, wo, wie viel, wie oft, plus Hinweise zum sicheren Umgang.

Typische Inhalte
  • Schmierstelleplan mit Positionen
  • Freigegebene Schmierstoffe und Ersatzprodukte
  • Füllmengen und Wechselintervalle
  • Verweis auf Sicherheitsdatenblätter und Entsorgung
6.4Reinigung

Zulässige Verfahren und Mittel, und die Verfahren, die ausdrücklich verboten sind.

Typische Inhalte
  • Freigegebene Reinigungsmittel
  • Verbot von Hochdruckreinigern an bestimmten Bauteilen
  • Reinigungsintervalle je Bereich
  • PSA während der Reinigung
7Prüfungen und Inspektionen

Bleibt kurz und beschränkt sich auf sicherheitsrelevante Funktionsprüfungen. Keine Prüfprotokollvorlagen, keine PSA-Prüfung, das ist Sache des Betreibers.

7.1Sicherheitsrelevante Prüfungen (NOT-HALT, Schutzeinrichtungen)

Was geprüft wird, wie geprüft wird und in welchem Intervall.

Typische Inhalte
  • Auslösen jedes NOT-HALT-Geräts und Prüfen der Wirkung
  • Öffnen jeder verriegelten Schutztür bei laufender Maschine
  • Unterbrechen des Lichtvorhangs mit Prüfstab
  • Prüfintervall und Dokumentation des Ergebnisses
7.2Prüfung im Stillstand

Sichtprüfungen und Kontrollen, die nur bei stillstehender Maschine durchgeführt werden dürfen.

Typische Inhalte
  • Sichtprüfung auf Beschädigung von Verkleidungen und Kabeln
  • Vollständigkeit und Lesbarkeit der Sicherheitskennzeichnung
  • Fester Sitz von Befestigungen an Schutzeinrichtungen
  • Zustand von Schläuchen und Leitungen
8Transport und Lagerung

Steht hinten, weil es einmalige Tätigkeiten sind. Aufstellung und Montage sind hier Unterkapitel.

8.1Transport und Anschlagmittel

Wie die Maschine sicher bewegt wird, mit Gewicht, Hebepunkten und zulässigen Anschlagmitteln.

Typische Inhalte
  • Transportgewicht und Schwerpunktlage
  • Gekennzeichnete Hebepunkte, möglichst mit Abbildung
  • Zulässige Anschlagmittel und Mindesttragfähigkeit
  • Verbot, sich unter schwebender Last aufzuhalten
8.2Aufstellung und Montage

Bauseitige Voraussetzungen und die Montageschritte bis zur Anschlussbereitschaft.

Typische Inhalte
  • Anforderungen an Untergrund, Tragfähigkeit und Ausrichtung
  • Erforderliche Freiräume für Bedienung und Wartung
  • Reihenfolge der Montage bei mehrteiliger Lieferung
  • Bauseitige Anschlüsse nach den Werten aus 3.2
8.3Lagerung

Bedingungen für die Zwischenlagerung und Maßnahmen bei längerem Stillstand.

Typische Inhalte
  • Zulässige Lagertemperatur und Luftfeuchte
  • Konservierung und Korrosionsschutz
  • Maßnahmen vor der Wiederinbetriebnahme nach langer Lagerung
  • Prüfung auf Transportschäden bei Anlieferung und Dokumentation von Mängeln
9Endgültige Stilllegung

Wie die Maschine dauerhaft außer Betrieb genommen und zerlegt wird, ohne dass gespeicherte Energien zur Gefahr werden.

9.1Vorbereitung der Stilllegung

Trennen und Entleeren aller Energiequellen sowie Sichern gegen Wiederinbetriebnahme.

Typische Inhalte
  • Elektrische Trennung und Sicherung des Hauptschalters
  • Drucklosmachen von Pneumatik und Hydraulik
  • Entleeren von Betriebsstoffen und Restmaterial
  • Kennzeichnung als stillgelegt
9.2Demontage

Reihenfolge und Sicherheitshinweise für den Rückbau, insbesondere zu Federspeichern und schweren Bauteilen.

Typische Inhalte
  • Demontagereihenfolge, sinnvollerweise umgekehrt zur Montage
  • Sichern von Bauteilen gegen Herabfallen oder Zurückschnellen
  • Erforderliche Qualifikation für den Rückbau
  • Trennung nach Werkstoffgruppen als Vorbereitung für Kapitel 10
10Entsorgung

Eigenes Hauptkapitel. Trennung der Werkstoffe und fachgerechte Entsorgung von Betriebsstoffen und Elektronik.

10.1Werkstofftrennung

Welche Werkstoffgruppen anfallen und wie sie zu trennen sind.

Typische Inhalte
  • Metalle, sortenrein getrennt
  • Kunststoffe nach Kennzeichnung
  • Verbundwerkstoffe und Dämmmaterial
  • Verpackungsmaterial aus der Anlieferung
10.2Entsorgung von Betriebsstoffen und Elektronik (WEEE/RoHS)

Behandlung der Stoffe und Bauteile, die nicht in den normalen Wertstoffkreislauf dürfen.

Typische Inhalte
  • Hydrauliköl, Kühlschmierstoffe und Fette als Sonderabfall
  • Batterien und Akkus getrennt entsorgen
  • Elektro- und Elektronikaltgeräte nach WEEE
  • Verweis auf die Sicherheitsdatenblätter der Betriebsstoffe
11Anhang

Die einzige Stelle mit der vollständigen Dokumentensammlung. In Kapitel 1.3 stehen mitgeltende Unterlagen nur als kurzer Verweis.

11.1Drittgewerk-Dokumentation

Die Zulieferdokumentation, nach Gewerk gegliedert statt als ungeordneter Stapel.

Typische Inhalte
  • Steuerung und Bedienung, Sicherheitstechnik, Antriebstechnik
  • Pneumatik, Hydraulik, Mechanik, Absaugung
  • Datenblätter und Konformitätserklärungen zugekaufter Komponenten
  • Je Position: Hersteller, Typ, Dokumentnummer
11.2Eigene Dokumente

Die eigenen mitgelieferten Unterlagen, mit Revisionsstand.

Typische Inhalte
  • EU-Konformitätserklärung
  • Schaltpläne, soweit für Betrieb und Instandhaltung erforderlich
  • Ersatzteilliste und Wartungsnachweise
  • Auszüge aus Risikobeurteilung und Konformitätsbewertung, sofern vereinbart

Wo landen die Pflichtangaben in dieser Gliederung?

PflichtangabeKapitel in dieser Vorlage
Bestimmungsgemäße Verwendung2.3
Vernünftigerweise vorhersehbare Fehlanwendung2.4
Restrisiken2.10
Erforderliche Qualifikation und Unterweisung2.5
Persönliche Schutzausrüstung2.8
Schutzeinrichtungen und ihre Wirkung2.9, 2.11
Sicherheitskennzeichnung an der Maschine2.14
Emissionswerte (Schall, Vibration)3.4
Anschluss- und Umgebungsbedingungen3.2, 3.3
Bedienung und Betriebsarten5.1 bis 5.5
Störungsbeseitigung mit Zuständigkeit5.7
Wartung mit Intervallen6.1, 6.2
Prüfung der Sicherheitsfunktionen7.1
Transport, Aufstellung, Lagerung8.1 bis 8.3
Außerbetriebnahme und Entsorgung9, 10
Vermerk Originalbetriebsanleitung1.1 und Deckblatt

Prüfen Sie die Vorlage gegen Ihre Risikobeurteilung, nicht nur gegen diese Tabelle. Jede dort identifizierte Gefährdung muss sich in einem Warnhinweis, einer Anweisung oder einem Restrisiko wiederfinden.

Woran Betriebsanleitungen in der Praxis scheitern

Wie verbindlich ist diese Gliederung?

Die Reihenfolge ist eine Empfehlung, der Inhalt ist Pflicht. Die Maschinenverordnung legt fest, welche Informationen die Betriebsanleitung enthalten muss; die EN ISO 20607 beschreibt, wie Anleitungen strukturiert und formuliert werden, ohne eine Nummerierung vorzuschreiben. Sie dürfen also umsortieren, zusammenfassen und Kapitel streichen, die auf Ihre Maschine nicht zutreffen.

Zwei Grenzen gibt es. Erstens: Sicherheitsinformationen dürfen nicht so verteilt werden, dass sie beim Lesen der jeweiligen Tätigkeit nicht auffindbar sind. Ein Warnhinweis, der nur im Sicherheitskapitel steht, aber nicht dort, wo die gefährliche Tätigkeit beschrieben ist, erfüllt seinen Zweck nicht. Zweitens: Was Sie streichen, muss tatsächlich nicht zutreffen, nicht bloß unbequem zu schreiben sein.

Für unvollständige Maschinen gilt diese Gliederung nicht unverändert. Dort tritt an die Stelle der Betriebsanleitung die Montageanleitung, die den Einbau in die Gesamtmaschine beschreibt und die Bedingungen nennt, unter denen der Einbau zulässig ist. Kapitel zu Bedienung und Normalbetrieb entfallen dann weitgehend.

Wer die Vorlage als Rohgerüst verwenden will: Legen Sie zuerst die Risikobeurteilung daneben und gehen Sie deren Gefährdungen einzeln durch. Jede muss in der Anleitung ankommen, als konstruktive Lösung, die Sie beschreiben, als Warnhinweis an der Tätigkeit oder als Restrisiko in 2.10. Was in keinem dieser drei Kanäle landet, ist eine Lücke.

Quellen und Normbezug

Normausgabestände und harmonisierte Fassungen ändern sich laufend. Prüfen Sie Normnummern und Ausgabestände vor der Anwendung gegen den aktuellen Stand im EU-Amtsblatt. Dieser Beitrag ist eine fachliche Einordnung und ersetzt keine Rechtsberatung.

Häufige Fragen

Ist die Kapitelnummerierung vorgeschrieben?

Nein. Weder Maschinenverordnung noch EN ISO 20607 schreiben eine Nummerierung oder Reihenfolge vor. Vorgeschrieben ist der Inhalt. Die hier gezeigte Gliederung ist eine bewährte Struktur, die sich in Abnahmen und Prüfungen bewährt hat. Sie dürfen davon abweichen, solange nichts fehlt und die Informationen dort stehen, wo sie gebraucht werden.

Was gehört in die bestimmungsgemäße Verwendung?

Wofür die Maschine gebaut ist, begrenzt nach Material, Umgebung, Leistung und Betriebsart, also zulässige Werkstücke mit Abmessungs- und Gewichtsgrenzen, Umgebungstemperatur und Luftfeuchte, zulässige Auslastung sowie die Anforderung an das Bedienpersonal. Diese Grenzen entscheiden darüber, was als Fehlanwendung gilt. Ohne konkrete Werte ist der Abschnitt praktisch wertlos.

Wie ausführlich muss jedes Kapitel sein?

So ausführlich, dass die Zielgruppe die beschriebene Tätigkeit sicher ausführen kann, nicht mehr. Das Sicherheitskapitel ist regelmäßig das längste, Prüfungen und Entsorgung sind kurz. Ein Kapitel, das mit einem allgemeinen Textbaustein gefüllt wird, weil die Überschrift sonst leer bliebe, schadet mehr als eine gestrichene Überschrift.

Kann ich Kapitel weglassen?

Ja, wenn sie auf Ihre Maschine nicht zutreffen. Eine Maschine ohne Hydraulik braucht keinen Abschnitt zu Hydraulikanschlusswerten. Streichen Sie aber nur, was tatsächlich nicht zutrifft, nicht, was aufwendig zu schreiben ist. Und passen Sie die Nummerierung an, statt Lücken zu lassen.

Gilt die Gliederung auch für unvollständige Maschinen?

Nur teilweise. Für unvollständige Maschinen wird statt der Betriebsanleitung eine Montageanleitung mitgeliefert. Sie beschreibt Montage, Anschluss und die Bedingungen für den sicheren Einbau in die Gesamtmaschine; Kapitel zu Normalbetrieb und Bedienung entfallen weitgehend, Sicherheit und Schnittstellenbedingungen werden dafür wichtiger.

Heinrich Knutas
Heinrich Knutas
Ingenieur für Maschinensicherheit
Gründer von Kaidoc.app · CEO von Knutec.de · LinkedIn

Begleitet seit Jahren CE-Projekte im Maschinen-, Anlagen- und Sondermaschinenbau. Daraus ist Kaidoc.app entstanden, eine Software für normorientierte CE-Dokumentation. Über Knutec.de gibt es dieselbe Arbeit als persönliche Dienstleistung.

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