StartRatgeber › Risikobeurteilung Vorlage: Aufbau nach EN ISO 12100

Wie ist eine Risikobeurteilungs-Vorlage aufgebaut?

Eine Risikobeurteilungs-Vorlage nach EN ISO 12100 ist eine Tabelle, in der jede Gefährdung Zeile für Zeile erfasst wird: laufende Nummer, Lebensphase, Ort und Gefahrstelle, Gefährdungsart nach Anhang B, mögliche Folge, Risiko vor der Maßnahme, Maßnahme nach dem 3-Stufen-Verfahren, Risiko nach der Maßnahme und das verbleibende Restrisiko mit Verweis auf die Betriebsanleitung. Eine leere Vorlage liefert nur das Gerüst. Die inhaltliche Bewertung, die Aktualität und die Verknüpfung zur Betriebsanleitung muss der Hersteller selbst sicherstellen.

Inhalt
  1. Wozu eine Vorlage dient und was sie leisten muss
  2. Die Spalten einer Risikobeurteilungs-Vorlage
  3. Die Gefährdungskategorien nach EN ISO 12100
  4. In acht Schritten die Vorlage ausfüllen
  5. Warum eine statische Vorlage an Grenzen stößt
  6. Häufige Fehler beim Ausfüllen der Vorlage

Wozu eine Vorlage dient und was sie leisten muss

Die Risikobeurteilung ist die Pflichtgrundlage jeder CE-Kennzeichnung. Eine Vorlage sorgt dafür, dass keine Gefährdung und keine Lebensphase vergessen wird.

Die Risikobeurteilung nach EN ISO 12100 ist der erste und wichtigste Schritt im CE-Prozess. Aus ihr ergeben sich die Schutzmaßnahmen an der Maschine, die Warnhinweise und die Restrisiken in der Betriebsanleitung. Eine gute Vorlage stellt sicher, dass dieser Prozess vollständig und nachvollziehbar dokumentiert wird.

Eine belastbare Vorlage erfüllt drei Aufgaben:

Eine Vorlage ist ein Werkzeug, kein Ergebnis. Sie ersetzt weder die fachliche Bewertung der konkreten Maschine noch die Pflege der Beurteilung über den Lebenszyklus.

Die Spalten einer Risikobeurteilungs-Vorlage

So ist eine Zeile pro Gefährdung aufgebaut. Diese Spalten bilden das dreistufige Verfahren der Risikominderung ab.

SpalteInhalt
Lfd. Nr.Eindeutige Nummer der Gefährdung zur Referenzierung, etwa in der Betriebsanleitung oder in Prüfprotokollen.
LebensphasePhase im Lebenszyklus: Transport, Montage, Inbetriebnahme, Normalbetrieb, Einrichten, Reinigung, Wartung, Störungsbeseitigung, Demontage, Entsorgung.
Ort / GefahrstelleKonkrete Stelle an der Maschine, an der die Gefährdung auftritt, zum Beispiel Einzugstelle, Schaltschrank, Werkzeugbereich.
GefährdungArt der Gefährdung nach den Kategorien der EN ISO 12100, Anhang B: mechanisch, elektrisch, thermisch, Lärm, Vibration, Strahlung, Werkstoffe und Stoffe, Ergonomie, Umgebung, Kombination.
Mögliche FolgeDenkbare Verletzung oder Schädigung, zum Beispiel Quetschung, Stromschlag, Verbrennung, Gehörschaden.
Risiko vor MaßnahmeRisikoeinschätzung aus Schwere des Schadens und Wahrscheinlichkeit des Eintritts (Häufigkeit, Vermeidbarkeit), vor jeder Schutzmaßnahme.
Maßnahme (3-Stufen-Verfahren)Festgelegte Risikominderung in der Rangfolge: 1. inhärent sichere Konstruktion, 2. technische Schutzmaßnahmen, 3. Benutzerinformation.
Risiko nach MaßnahmeErneute Bewertung nach Umsetzung der Maßnahme. Reicht sie nicht aus, folgt eine weitere Iteration der Risikominderung.
Restrisiko / Verweis BetriebsanleitungVerbleibendes Restrisiko und der zugehörige Warnhinweis in der Betriebsanleitung, mit Verweis auf Kapitel oder Piktogramm.

Die Gefährdungskategorien nach EN ISO 12100

Anhang B der EN ISO 12100 listet die Gefährdungsarten. Wer die Vorlage entlang dieser Kategorien durcharbeitet, übersieht seltener eine Gefahr.

In acht Schritten die Vorlage ausfüllen

So arbeiten Sie eine Risikobeurteilungs-Vorlage nach EN ISO 12100 systematisch durch.

Maschine abgrenzenGrenzen der Maschine festlegen: Verwendungsgrenzen, räumliche und zeitliche Grenzen, bestimmungsgemäße Verwendung und vernünftigerweise vorhersehbare Fehlanwendung.
Lebensphasen auflistenAlle Lebensphasen erfassen, von Transport und Montage über den Betrieb bis zu Wartung und Entsorgung, und je Phase eine eigene Betrachtung anlegen.
Gefährdungen identifizierenJe Phase und Gefahrstelle die Gefährdungen entlang der Kategorien aus Anhang B durchgehen und Zeile für Zeile in die Vorlage eintragen.
Risiko einschätzenFür jede Gefährdung das Risiko vor Maßnahme aus Schwere des möglichen Schadens und Eintrittswahrscheinlichkeit bewerten.
Maßnahme festlegenRisiko mindern in der Rangfolge des 3-Stufen-Verfahrens: erst sichere Konstruktion, dann technische Schutzmaßnahmen, zuletzt Benutzerinformation.
Restrisiko neu bewertenDas Risiko nach Maßnahme erneut bewerten. Ist es noch zu hoch, die Maßnahme verbessern und die Bewertung wiederholen (Iteration).
Restrisiko dokumentierenVerbleibende Restrisiken festhalten und mit dem zugehörigen Warnhinweis in der Betriebsanleitung verknüpfen.
Prüfen und freigebenDie vollständige Beurteilung gegenprüfen, datieren, freigeben und als Teil der technischen Unterlagen archivieren.

Warum eine statische Vorlage an Grenzen stößt

Eine leere Excel- oder Word-Vorlage ist ein guter Start. Als dauerhaftes Arbeitsmittel für mehrere Maschinen zeigt sie aber schnell Schwächen.

Aktualität

Normen und Rechtsgrundlagen ändern sich. Ab dem 20. Januar 2027 gilt die Maschinenverordnung (EU) 2023/1230 ohne Übergangsfrist. Eine statische Vorlage veraltet still: Sie verweist auf alte Fundstellen, ohne dass es jemand bemerkt.

Wiederverwendung

Für eine Baureihe oder ähnliche Maschinen kopieren viele die Datei und passen sie an. Dabei entstehen Versionswirrwarr und übersehene Anpassungen. Eine kopierte Zeile aus einem alten Projekt passt oft nicht zur neuen Maschine.

Konsistenz

Bewertet jeder Bearbeiter Schwere und Wahrscheinlichkeit nach eigenem Gefühl, werden Beurteilungen unvergleichbar. Ohne hinterlegte Kriterien und Textbausteine leidet die Nachvollziehbarkeit.

Verknüpfung zur Betriebsanleitung

Das Restrisiko in Zeile 27 der Tabelle und der Warnhinweis in der Betriebsanleitung stehen in getrennten Dateien. Ändert sich die Beurteilung, bleibt der Hinweis leicht unverändert. Genau diese Brüche fallen in der Marktüberwachung auf.

Häufige Fehler beim Ausfüllen der Vorlage

Diese Fehler machen eine Risikobeurteilung angreifbar, auch wenn die Tabelle vollständig aussieht.

Nur der Normalbetrieb betrachtetWartung, Reinigung, Störungsbeseitigung und Einrichten werden vergessen. Gerade in diesen Phasen sind Schutzeinrichtungen oft überbrückt und das Risiko am höchsten.
Maßnahmen in falscher RangfolgeStatt der sicheren Konstruktion wird gleich zum Warnhinweis gegriffen. Das 3-Stufen-Verfahren verlangt zuerst konstruktive Lösung, dann Technik, erst dann Information.
Risiko nach Maßnahme nicht neu bewertetDie Spalte bleibt leer oder wird nur behauptet. Ohne erneute Bewertung ist nicht belegt, dass die Maßnahme das Risiko ausreichend mindert.
Vorlage aus altem Projekt übernommenZeilen einer anderen Maschine werden unverändert kopiert. Die Gefahrstellen, Bewertungen und Restrisiken passen dann nicht zur konkreten Maschine.
Restrisiken ohne AnschlussRestrisiken stehen in der Tabelle, tauchen aber nicht in der Betriebsanleitung auf. Die Kette von Gefährdung, Maßnahme und Warnhinweis reißt ab.
Keine Datierung und FreigabeOhne Datum, Version und Verantwortlichen ist nicht nachvollziehbar, welcher Stand gilt. Bei Änderungen an der Maschine fehlt der Bezugspunkt.

Quellen und Normbezug

Normausgabestände und harmonisierte Fassungen ändern sich laufend. Prüfen Sie Normnummern und Ausgabestände vor der Anwendung gegen den aktuellen Stand im EU-Amtsblatt. Dieser Beitrag ist eine fachliche Einordnung und ersetzt keine Rechtsberatung.

Häufige Fragen

Gibt es eine gesetzlich vorgeschriebene Vorlage für die Risikobeurteilung?

Nein. Weder die Maschinenrichtlinie noch die Maschinenverordnung schreiben ein bestimmtes Formular vor. Vorgegeben ist das Vorgehen nach EN ISO 12100: Gefährdungen ermitteln, Risiko einschätzen, mindern und das Ergebnis nachvollziehbar dokumentieren. Die tabellarische Vorlage ist die in der Praxis übliche Form, um das umzusetzen.

Welche Spalten muss eine Risikobeurteilungs-Vorlage enthalten?

Bewährt sind: laufende Nummer, Lebensphase, Ort und Gefahrstelle, Gefährdungsart, mögliche Folge, Risiko vor Maßnahme, Maßnahme nach dem 3-Stufen-Verfahren, Risiko nach Maßnahme sowie Restrisiko mit Verweis auf die Betriebsanleitung. Diese Struktur bildet die geforderte Kette von der Gefährdung bis zur Restrisiko-Information ab.

Welche Gefährdungskategorien gibt es nach EN ISO 12100?

Anhang B der EN ISO 12100 nennt unter anderem mechanische, elektrische, thermische Gefährdungen sowie Gefährdungen durch Lärm, Vibration, Strahlung, Werkstoffe und Stoffe, ergonomische Gefährdungen, Gefährdungen durch die Umgebung und die Kombination mehrerer Gefährdungen. Die Vorlage entlang dieser Kategorien durchzugehen, reduziert das Risiko, eine Gefahr zu übersehen.

Wie bewerte ich das Risiko in der Vorlage?

Das Risiko ergibt sich aus der Schwere des möglichen Schadens und der Eintrittswahrscheinlichkeit. In die Wahrscheinlichkeit fließen die Häufigkeit und Dauer der Gefährdungsexposition, die Wahrscheinlichkeit des Eintritts eines Schadensereignisses und die Möglichkeiten zur Vermeidung ein. Wichtig ist, für alle Zeilen dieselben Kriterien anzuwenden, damit die Bewertungen vergleichbar bleiben.

Was bedeutet das 3-Stufen-Verfahren in der Maßnahmenspalte?

Das dreistufige Verfahren der Risikominderung nach EN ISO 12100 legt die Rangfolge der Maßnahmen fest: erst inhärent sichere Konstruktion, dann technische Schutzmaßnahmen und ergänzende Schutzmaßnahmen, zuletzt Benutzerinformation wie Warnhinweise und Angaben in der Betriebsanleitung. In der Vorlage sollte erkennbar sein, welche Stufe die jeweilige Maßnahme betrifft.

Reicht eine Excel-Vorlage für die Risikobeurteilung aus?

Für eine einzelne, überschaubare Maschine kann eine sorgfältig ausgefüllte Tabelle genügen. Bei mehreren Maschinen, Baureihen oder häufigen Änderungen stößt eine statische Datei an Grenzen: Aktualität, Versionspflege, einheitliche Bewertung und die Verknüpfung zur Betriebsanleitung lassen sich schwer sichern.

Wie hängen Restrisiko und Betriebsanleitung zusammen?

Jedes Restrisiko, das nach den Schutzmaßnahmen verbleibt, muss dem Anwender in der Betriebsanleitung mitgeteilt werden, etwa als Warnhinweis oder Piktogramm. In der Vorlage sorgt die Spalte Restrisiko mit Verweis auf die Betriebsanleitung dafür, dass diese Verbindung dokumentiert ist und bei Änderungen nachgezogen wird.

Muss ich für jede Lebensphase eine eigene Betrachtung anlegen?

Ja. EN ISO 12100 verlangt, alle Lebensphasen der Maschine zu betrachten, von Transport, Montage und Inbetriebnahme über Normalbetrieb, Einrichten und Reinigung bis zu Wartung, Störungsbeseitigung, Demontage und Entsorgung. Viele schwere Unfälle geschehen außerhalb des Normalbetriebs, deshalb ist die Spalte Lebensphase in der Vorlage zentral.

Ändert die Maschinenverordnung 2027 etwas an der Risikobeurteilung?

Das Vorgehen nach EN ISO 12100 bleibt der Kern. Die Maschinenverordnung (EU) 2023/1230 gilt ab dem 20. Januar 2027 ohne Übergangsfrist und stellt zusätzliche Anforderungen, etwa an den Schutz vor Korrumpierung sowie an KI und autonome Funktionen. Vorlagen und Fundstellen sollten auf die Verordnung aktualisiert werden.

Heinrich Knutas
Heinrich Knutas
Ingenieur für Maschinensicherheit
Gründer von Kaidoc.app · CEO von Knutec.de · LinkedIn

Begleitet seit Jahren CE-Projekte im Maschinen-, Anlagen- und Sondermaschinenbau. Daraus ist Kaidoc.app entstanden, eine Software für normorientierte CE-Dokumentation. Über Knutec.de gibt es dieselbe Arbeit als persönliche Dienstleistung.

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Dieser Beitrag wurde KI-gestützt erstellt und vor der Veröffentlichung fachlich geprüft. Die redaktionelle Verantwortung im Sinne von Art. 50 Abs. 4 der KI-Verordnung (EU) 2024/1689 liegt bei Heinrich Knutas.

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