StartRatgeber › Performance Level (PL) nach EN ISO 13849-1 bestimmen

Wie bestimme ich den Performance Level (PL) einer Sicherheitsfunktion nach EN ISO 13849-1?

Der Performance Level wird nie für die Maschine als Ganzes bestimmt, sondern immer je Sicherheitsfunktion. Aus der Risikobeurteilung ergibt sich über den Risikografen aus Schwere (S), Häufigkeit (F) und Vermeidbarkeit (P) der erforderliche PLr von a bis e. Anschließend wird die technische Umsetzung betrachtet: Sensor, Logik und Aktor bilden zusammen die Sicherheitskette, deren Ausfallwahrscheinlichkeiten (PFHd) sich addieren. Der erreichte PL muss mindestens dem PLr entsprechen; erst die Validierung nach EN ISO 13849-2 schließt den Nachweis ab.

Inhalt
  1. Wofür wird der Performance Level überhaupt bestimmt?
  2. Was gehört in die Beschreibung einer Sicherheitsfunktion?
  3. Wie komme ich von der Gefährdung zum erforderlichen PLr?
  4. Welcher PLr ergibt sich aus welcher Kombination?
  5. Wie entsteht aus Bauteilen der erreichte PL?
  6. Was wird für den Nachweis dokumentiert?
  7. Welche Fehler tauchen in Projekten immer wieder auf?

Wofür wird der Performance Level überhaupt bestimmt?

Für jede einzelne Sicherheitsfunktion.
Nicht für die Maschine, nicht für ein Bauteil und nicht für die Steuerung als Ganzes.

Eine Maschine hat typischerweise mehrere Sicherheitsfunktionen: Schutztürüberwachung, Not-Halt, Muting einer Lichtschranke, sicher begrenzte Geschwindigkeit im Einrichtbetrieb. Jede dieser Funktionen bekommt einen eigenen erforderlichen Performance Level, weil jede ein anderes Risiko abdeckt.

Das ist der häufigste Fehler in Projekten: Es wird pauschal "die Anlage ist PL d" behauptet. Das ist keine Aussage, die sich prüfen lässt. Prüfbar ist nur die Kette aus konkreter Sicherheitsfunktion, dazugehörigem PLr, umgesetzter Schaltung und daraus errechnetem PL.

Die Liste der Sicherheitsfunktionen entsteht deshalb nicht in der Steuerungsplanung, sondern fällt bereits in der Risikobeurteilung an: Immer dann, wenn eine Gefährdung durch eine steuerungstechnische Maßnahme gemindert wird, entsteht eine Sicherheitsfunktion.

Was gehört in die Beschreibung einer Sicherheitsfunktion?

Auslösendes EreignisWas startet die Funktion? Öffnen der Schutztür, Betätigen des Not-Halt-Geräts, Unterbrechen des Lichtvorhangs, Überschreiten einer Geschwindigkeit.
Sicherer ZustandWas ist das Ziel? Stillstand der gefahrbringenden Bewegung, drucklos schalten, Energiezufuhr trennen, Geschwindigkeit auf einen sicheren Wert begrenzen.
Stopp-KategorieStopp 0, 1 oder 2 nach EN 60204-1. Die Wahl entscheidet darüber, ob die Energie sofort getrennt wird oder ob gesteuert stillgesetzt und danach getrennt wird.
Reaktionszeit und NachlaufGesamtzeit von der Auslösung bis zum sicheren Zustand. Sie geht direkt in die Berechnung der Sicherheitsabstände nach EN ISO 13855 ein.
BetriebsartenIn welchen Betriebsarten die Funktion wirkt und in welchen sie bewusst überbrückt wird, etwa im Einrichtbetrieb mit Zustimmtaster.
Verhalten bei Wiederkehr der EnergieKein selbsttätiger Wiederanlauf. Festlegen, ob quittiert werden muss und wo die Quittierstelle liegt.
Erforderlicher PLrErgebnis der Risikobeurteilung für genau diese Funktion, dokumentiert mit der zugrunde liegenden S-, F- und P-Einstufung.

Diese Beschreibung ist kein Formalismus: Ohne sie lässt sich weder der PLr begründen noch die Umsetzung prüfen. Sie gehört in die technischen Unterlagen und ist die Grundlage für die spätere Validierung.

Wie komme ich von der Gefährdung zum erforderlichen PLr?

Schritt 1
Kann die Gefährdung zu einer irreversiblen Verletzung führen, etwa Amputation, Knochenbruch oder Tod?
JaSchwere S2. Weiter zur nächsten Frage.
NeinSchwere S1 für leichte, üblicherweise reversible Verletzungen. Weiter zur nächsten Frage.
Schritt 2
Halten sich Personen häufig oder dauernd im Gefahrenbereich auf, oder wird der Bereich häufiger als etwa einmal pro Stunde betreten?
JaHäufigkeit F2. Weiter zur nächsten Frage.
NeinHäufigkeit F1 bei seltenem oder kurzzeitigem Aufenthalt. Weiter zur nächsten Frage.
Schritt 3
Ist die Gefährdung erkennbar und lässt sie sich durch die Geschwindigkeit des Vorgangs oder durch Ausweichen abwenden?
JaVermeidbarkeit P1. Der PLr steht damit fest.
NeinVermeidbarkeit P2, wenn ein Abwenden praktisch nicht möglich ist. Der PLr steht damit fest.
Schritt 4
Liegt für die Maschinenart eine C-Norm vor, die den PLr für diese Funktion bereits festlegt?
JaDann gilt der dort genannte Wert. Eine eigene Ableitung ist nur nötig, wenn davon abgewichen wird, und muss begründet werden.
NeinEs bleibt bei der eigenen Ableitung über den Risikografen. Die Einstufung von S, F und P wird nachvollziehbar dokumentiert.

Welcher PLr ergibt sich aus welcher Kombination?

Schwere SHäufigkeit FVermeidbarkeit Perforderlicher PLr
S1 leicht, reversibelF1 seltenP1 möglicha
S1 leicht, reversibelF1 seltenP2 kaum möglichb
S1 leicht, reversibelF2 häufigP1 möglichb
S1 leicht, reversibelF2 häufigP2 kaum möglichc
S2 schwer, irreversibelF1 seltenP1 möglichc
S2 schwer, irreversibelF1 seltenP2 kaum möglichd
S2 schwer, irreversibelF2 häufigP1 möglichd
S2 schwer, irreversibelF2 häufigP2 kaum mögliche

Der Risikograf ist ein Einstufungswerkzeug, kein Rechenverfahren. Grenzfälle werden nicht weggerundet, sondern begründet: Wer sich zwischen F1 und F2 entscheidet, hält den Grund fest, sonst ist die Einstufung im Streitfall nicht haltbar.

Wie entsteht aus Bauteilen der erreichte PL?

Eine Sicherheitsfunktion läuft immer über eine Kette: Sensor erfassen, Logik auswerten, Aktor abschalten. Jedes dieser drei Glieder ist ein Teilsystem mit eigener Ausfallwahrscheinlichkeit je Stunde, der PFHd.

Die PFHd-Werte der Teilsysteme werden addiert. Die Summe entscheidet, welcher Performance Level erreicht wird. Daraus folgt eine Regel, die in der Praxis oft übersehen wird: Drei Teilsysteme mit jeweils PL d ergeben in Summe nicht zwangsläufig PL d, weil sich die Ausfallwahrscheinlichkeiten addieren. Der Abstand zur nächsten Grenze muss also geprüft werden.

Für jedes Teilsystem gibt es zwei Wege. Entweder liefert der Hersteller einen zertifizierten Wert mit PFHd und Kategorie im Datenblatt, dann wird dieser Wert übernommen. Oder das Teilsystem wird selbst aufgebaut, dann sind Kategorie, MTTFd, Diagnosedeckungsgrad DC und die Maßnahmen gegen Ausfälle gemeinsamer Ursache CCF zu bestimmen und daraus der PFHd abzuleiten.

Die Kategorie ist dabei keine Rechengröße, sondern eine Strukturanforderung an die Architektur: einkanalig, einkanalig mit Test, zweikanalig, zweikanalig mit Überwachung. Kategorie und PFHd zusammen ergeben den erreichten PL.

Was wird für den Nachweis dokumentiert?

Die Berechnung allein genügt nicht. EN ISO 13849-2 verlangt eine Validierung der tatsächlichen Umsetzung, also den Abgleich zwischen Papier und Maschine. Ohne dokumentierte Validierung ist der Nachweis unvollständig.

Welche Fehler tauchen in Projekten immer wieder auf?

Quellen und Normbezug

Normausgabestände und harmonisierte Fassungen ändern sich laufend. Prüfen Sie Normnummern und Ausgabestände vor der Anwendung gegen den aktuellen Stand im EU-Amtsblatt. Dieser Beitrag ist eine fachliche Einordnung und ersetzt keine Rechtsberatung.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen PL und SIL?

Beide beschreiben die Zuverlässigkeit sicherheitsbezogener Steuerungsteile, stammen aber aus unterschiedlichen Normen: PL a bis e aus EN ISO 13849-1, SIL 1 bis 3 aus IEC 62061. Für Maschinensteuerungen sind beide Wege zulässig; die Werte lassen sich über die zugrunde liegende Ausfallwahrscheinlichkeit einander zuordnen. Entscheidend ist, dass innerhalb eines Projekts konsistent gearbeitet und die gewählte Methode dokumentiert wird.

Muss ich rechnen, wenn der Hersteller den PL des Bauteils angibt?

Ja. Die Herstellerangabe gilt für das einzelne Teilsystem, nicht für die gesamte Sicherheitsfunktion. Erst die Summe der PFHd-Werte von Sensor, Logik und Aktor ergibt den erreichten PL der Funktion. Ein zertifizierter Wert erspart die Berechnung des Teilsystems, nicht die der Kette.

Was bedeutet PFHd?

PFHd steht für die mittlere Wahrscheinlichkeit eines gefahrbringenden Ausfalls je Stunde. Der Wert ist die gemeinsame Rechengröße aller Teilsysteme einer Sicherheitsfunktion und ordnet das Ergebnis einem Performance Level zu.

Reicht die Angabe "PL d, Kategorie 3" in der Dokumentation?

Als Ergebniszeile ja, als Nachweis nein. Nachvollziehbar wird das erst mit der Beschreibung der Sicherheitsfunktion, der Begründung des PLr, dem Schaltbild, den Komponentendaten, der Berechnung und dem Validierungsbericht.

Ändert sich durch die Maschinenverordnung etwas an der PL-Bestimmung?

Die Methodik der Norm bleibt bestehen. Die Maschinenverordnung verlangt in Anhang III sichere Steuerungen und stellt zusätzliche Anforderungen an Software und Cybersecurity. Prüfen Sie vor der Anwendung den Ausgabestand der Norm und den aktuellen Listungsstand harmonisierter Normen im EU-Amtsblatt.

Heinrich Knutas
Heinrich Knutas
Ingenieur für Maschinensicherheit
Gründer von Kaidoc.app · CEO von Knutec.de · LinkedIn

Begleitet seit Jahren CE-Projekte im Maschinen-, Anlagen- und Sondermaschinenbau. Daraus ist Kaidoc.app entstanden, eine Software für normorientierte CE-Dokumentation. Über Knutec.de gibt es dieselbe Arbeit als persönliche Dienstleistung.

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Dieser Beitrag wurde KI-gestützt erstellt und vor der Veröffentlichung fachlich geprüft. Die redaktionelle Verantwortung im Sinne von Art. 50 Abs. 4 der KI-Verordnung (EU) 2024/1689 liegt bei Heinrich Knutas.

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