Der Performance Level wird nie für die Maschine als Ganzes bestimmt, sondern immer je Sicherheitsfunktion. Aus der Risikobeurteilung ergibt sich über den Risikografen aus Schwere (S), Häufigkeit (F) und Vermeidbarkeit (P) der erforderliche PLr von a bis e. Anschließend wird die technische Umsetzung betrachtet: Sensor, Logik und Aktor bilden zusammen die Sicherheitskette, deren Ausfallwahrscheinlichkeiten (PFHd) sich addieren. Der erreichte PL muss mindestens dem PLr entsprechen; erst die Validierung nach EN ISO 13849-2 schließt den Nachweis ab.
Eine Maschine hat typischerweise mehrere Sicherheitsfunktionen: Schutztürüberwachung, Not-Halt, Muting einer Lichtschranke, sicher begrenzte Geschwindigkeit im Einrichtbetrieb. Jede dieser Funktionen bekommt einen eigenen erforderlichen Performance Level, weil jede ein anderes Risiko abdeckt.
Das ist der häufigste Fehler in Projekten: Es wird pauschal "die Anlage ist PL d" behauptet. Das ist keine Aussage, die sich prüfen lässt. Prüfbar ist nur die Kette aus konkreter Sicherheitsfunktion, dazugehörigem PLr, umgesetzter Schaltung und daraus errechnetem PL.
Die Liste der Sicherheitsfunktionen entsteht deshalb nicht in der Steuerungsplanung, sondern fällt bereits in der Risikobeurteilung an: Immer dann, wenn eine Gefährdung durch eine steuerungstechnische Maßnahme gemindert wird, entsteht eine Sicherheitsfunktion.
Diese Beschreibung ist kein Formalismus: Ohne sie lässt sich weder der PLr begründen noch die Umsetzung prüfen. Sie gehört in die technischen Unterlagen und ist die Grundlage für die spätere Validierung.
| Schwere S | Häufigkeit F | Vermeidbarkeit P | erforderlicher PLr |
|---|---|---|---|
| S1 leicht, reversibel | F1 selten | P1 möglich | a |
| S1 leicht, reversibel | F1 selten | P2 kaum möglich | b |
| S1 leicht, reversibel | F2 häufig | P1 möglich | b |
| S1 leicht, reversibel | F2 häufig | P2 kaum möglich | c |
| S2 schwer, irreversibel | F1 selten | P1 möglich | c |
| S2 schwer, irreversibel | F1 selten | P2 kaum möglich | d |
| S2 schwer, irreversibel | F2 häufig | P1 möglich | d |
| S2 schwer, irreversibel | F2 häufig | P2 kaum möglich | e |
Der Risikograf ist ein Einstufungswerkzeug, kein Rechenverfahren. Grenzfälle werden nicht weggerundet, sondern begründet: Wer sich zwischen F1 und F2 entscheidet, hält den Grund fest, sonst ist die Einstufung im Streitfall nicht haltbar.
Eine Sicherheitsfunktion läuft immer über eine Kette: Sensor erfassen, Logik auswerten, Aktor abschalten. Jedes dieser drei Glieder ist ein Teilsystem mit eigener Ausfallwahrscheinlichkeit je Stunde, der PFHd.
Die PFHd-Werte der Teilsysteme werden addiert. Die Summe entscheidet, welcher Performance Level erreicht wird. Daraus folgt eine Regel, die in der Praxis oft übersehen wird: Drei Teilsysteme mit jeweils PL d ergeben in Summe nicht zwangsläufig PL d, weil sich die Ausfallwahrscheinlichkeiten addieren. Der Abstand zur nächsten Grenze muss also geprüft werden.
Für jedes Teilsystem gibt es zwei Wege. Entweder liefert der Hersteller einen zertifizierten Wert mit PFHd und Kategorie im Datenblatt, dann wird dieser Wert übernommen. Oder das Teilsystem wird selbst aufgebaut, dann sind Kategorie, MTTFd, Diagnosedeckungsgrad DC und die Maßnahmen gegen Ausfälle gemeinsamer Ursache CCF zu bestimmen und daraus der PFHd abzuleiten.
Die Kategorie ist dabei keine Rechengröße, sondern eine Strukturanforderung an die Architektur: einkanalig, einkanalig mit Test, zweikanalig, zweikanalig mit Überwachung. Kategorie und PFHd zusammen ergeben den erreichten PL.
Die Berechnung allein genügt nicht. EN ISO 13849-2 verlangt eine Validierung der tatsächlichen Umsetzung, also den Abgleich zwischen Papier und Maschine. Ohne dokumentierte Validierung ist der Nachweis unvollständig.
Normausgabestände und harmonisierte Fassungen ändern sich laufend. Prüfen Sie Normnummern und Ausgabestände vor der Anwendung gegen den aktuellen Stand im EU-Amtsblatt. Dieser Beitrag ist eine fachliche Einordnung und ersetzt keine Rechtsberatung.
Beide beschreiben die Zuverlässigkeit sicherheitsbezogener Steuerungsteile, stammen aber aus unterschiedlichen Normen: PL a bis e aus EN ISO 13849-1, SIL 1 bis 3 aus IEC 62061. Für Maschinensteuerungen sind beide Wege zulässig; die Werte lassen sich über die zugrunde liegende Ausfallwahrscheinlichkeit einander zuordnen. Entscheidend ist, dass innerhalb eines Projekts konsistent gearbeitet und die gewählte Methode dokumentiert wird.
Ja. Die Herstellerangabe gilt für das einzelne Teilsystem, nicht für die gesamte Sicherheitsfunktion. Erst die Summe der PFHd-Werte von Sensor, Logik und Aktor ergibt den erreichten PL der Funktion. Ein zertifizierter Wert erspart die Berechnung des Teilsystems, nicht die der Kette.
PFHd steht für die mittlere Wahrscheinlichkeit eines gefahrbringenden Ausfalls je Stunde. Der Wert ist die gemeinsame Rechengröße aller Teilsysteme einer Sicherheitsfunktion und ordnet das Ergebnis einem Performance Level zu.
Als Ergebniszeile ja, als Nachweis nein. Nachvollziehbar wird das erst mit der Beschreibung der Sicherheitsfunktion, der Begründung des PLr, dem Schaltbild, den Komponentendaten, der Berechnung und dem Validierungsbericht.
Die Methodik der Norm bleibt bestehen. Die Maschinenverordnung verlangt in Anhang III sichere Steuerungen und stellt zusätzliche Anforderungen an Software und Cybersecurity. Prüfen Sie vor der Anwendung den Ausgabestand der Norm und den aktuellen Listungsstand harmonisierter Normen im EU-Amtsblatt.
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